Solidarität im Journalismus

Zahlreiche Gespräche mit Kollegen* in den vergangenen Jahren haben mich dazu bewogen, dieses Portal im Jahr 2007 in die Realität umzusetzen. Ausschlaggebend waren dabei vordergründig drei Faktoren:

1. Berufliche Interessensvertretungen beziehungsweise Organisationen deklarieren, uns Journalisten bei Problemen zu unterstützen oder gar Rechtschutz zu gewährleisten, und leisten – zumindest in meinen zahlreichen juristischen Konfrontationen (z.B. 1 | 2 | 3 | 4) – in keinem einzigen Fall Beistand;

2. Der Verein „Reporter ohne Grenzen“, der sich als Menschenrechtsvereinigung für die Rechte unserer Klientel sieht, ist/war selbst in fragwürdige Vorgänge verstrickt. Dies hat mich dazu bewegt, aus dieser Vereinigung auszutreten. Viel bedeutender ist jedoch:

3. Ich mußte zur Kenntnis nehmen, daß etliche Mitstreiter an der Front für die Unabhängigkeit im Journalismus und andere Kämpfer für die freie Meinungsäußerung bereits an leitenden Redakteuren oder Verlagsinhabern bzw. Medieninhabern scheitern, wenn es um brisante Veröffentlichungen bzw. Inhalte geht.

Journalist Glöckel nach einem gewonnen GerichtsverfahrenJournalist Glöckel nach einem gewonnen Gerichtsverfahren vor dem Landesgericht Korneuburg zur Exklusivserie über den Pflegenotstand aus der Sicht des Pflegepersonals

Der Druck auf die Kollegen nimmt zu, kaum mehr existieren Medien, die Raum, Zeit und Geld in tiefgreifende Recherchen investieren. Das Abtippen von Pressemeldungen bzw. deren Umschreiben steht immer mehr im Vordergrund. Die fast schon als abgedroschene Phrase zu bezeichnende Ethik des Qualitätsjournalismus sollte real mehr Stellenwert in der täglichen Arbeit gewinnen. Auch liegt die Betonung darauf, daß ich selbst Kollegen kenne, die diesem gerne nachkommen würden um ihrer ideologischen Berufsethik auch gerecht zu werden. Niemand, der die Berufswahl des Journalisten getroffen hat, wähnte sich einmal an einem Schreibtisch sitzend und Artikel abfassend, deren Ausgang bzw. deren Kernaussagen schon vorgegeben war.

Ob Ver.di in Deutschland, CoMedia in der Schweiz oder der ÖJC in Österreich – all jenen habe ich bereits den Rücken gekehrt, weil die bittere Realität eine andere ist, als das, was in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Bis zum heutigen Tag habe ich über 20 juristische Konfrontationen wegen Reportagen im Online- und Dokumentarfilmbereich positiv im Sinne der Presse- und Meinungsfreiheit bewältigen können. Wegen der falschen Photos der Mediengruppe Süddeutscher Verlag zum Konzentrationslager Auschwitz ging der Fall sogar bis zum OBERSTEN GERICHTSHOF, und heute liegt mir ein positives Urteil vor, das untermauert, wie wichtig unser aller Arbeit ist, wenn man sich nicht davor scheut, auch gegen Konzerne anzutreten: Weil es eben bedeutend ist, daß wir Journalisten als einzige dem Lobbyismus, Wirtschaftsverflechtungen und politischen Gruppierungen die Stirn bieten können, weil wir Wahrheiten und exakte Sachverhalte durch beinharte Recherche erarbeiten können und weil wir für die Allgemeinheit ein Gegengewicht darstellen, die die Zuvorgenannten in die Schranken zu weisen vermag. Und weil dies an jedem einzelnen Angehörigen unserer Zunft persönlich liegt, soll dieses Portal Unterstützung geben, wenn Organisationen versagen oder untätig bleiben, und eine Verteidigungslinie für all diejenigen darstellen, die wegen der Veröffentlichung brisanter Inhalte in einer Form, die dem Abgraben des Fundamentes der freien Presse und Ausübung der Meinungsfreiheit gleichzustellen ist, unter Druck geraten.

Nach nunmehr fast 8 Jahren eines gelebten, wahrlich unabhängigen Journalismus, soll mit diesen Seiten auch gegenüber der Öffentlichkeit dargestellt werden, daß wir gemeinsam Dinge erreichen können, wenn schon die eigenen Interessensvertretungen durch Untätigkeit glänzen.

So lade ich alle Kollegen ein, sich mit ihren im Zusammenhang mit der Publizistik stehenden Vorgängen, die darauf ausgerichtet sind, sich gegen Presse- und Meinungsfreiheit zu stellen, zu melden, um Raum zu schaffen diese Vorgänge hier konzentriert zu erfassen und gemeinsam gegen die Zensur, die Unterdrückung, die Bevormundung aktiv tätig zu werden.

Als Vorlage im Sinne der praktischen Umsetzung sollen folgende Fälle, von denen ich gegenwärtig betroffen bin, dienlich sein, wobei Sachlichkeit und Beweismittel jedenfalls zur Veranschaulichung und Dokumentation erforderlich sind.

Grün** ist die Farbe der Hoffnung und hiermit soll bewußt ein Zeichen gesetzt werden, daß all denjenigen, die versuchen, Presse- und Meinungsfreiheit zu untergraben oder Journalisten wirtschaftlich „abzudrehen“ oder „mundtot“ zu machen, mit der Solidarität der Angehörigen des Berufsstandes konfrontiert werden. Wenn Gewerkschaften oder Interessensgruppen versagen bzw. wegen möglicher Verstrickungen oder inhaltlicher Ausrichtung unterschiedlichster Art untätig bleiben, dann soll auf diesem Wege eine Maßnahme gesetzt werden, die unter Beweis stellt, daß die unabhängige Gemeinschaft und die Beteiligung jedes einzelnen in Form einer Verteidigungslinie einer wohlorganisierten Plattform mehr Bedeutung und Gewicht erfährt.

* das weibliche, wie auch männliche Geschlecht ist gemeinsam unter der Bezeichnung Kollegen gemeint.

** Das Portal, in der Farbe grün gehalten, wurde nach einigen Jahren Betrieb im Dezmeber 2012 aufgelöst und die darin befindlichen Seiten in dieser Domain integriert. Zusammenfassend kann aus meiner Erfahrung die Feststellung getroffen werden, daß es keine Solidariät innerhalb der Journalisten für derlei Aufrufe gibt. So haben sich beispielsweise unzählige JournalistInnen in den vergangenen 6 Jahren beispielsweise an dem Journalistenpreis vom HILFSWERK beteiligt … Übrigens das Endresultat der juristischen Konfrontation mit dem NÖ HILFSWERK gipfelte in acht gewonnen Verfahren und einem Urteil des Obersten Gerichtshofes, der meine Arbeit vollinhaltlich bestätigte.

***Solidarität im Journalismus ist seit 12.2.2011 auf Facebook vertreten***