Vorwort

Walter Glöckel - Dienstnummer 1858

Jeder übt seinen Beruf auf unterschiedliche Weise aus. Als verdeckter Ermittler findet man manchmal Parallelen zu einem Schauspieler, der in seiner Tätigkeit ein möglichst großes Publikum zu faszinieren oder begeistern versucht. Der Schauspieler hat den Beifall, wenn er erfolgreich seine Rolle spielte und der Vorhang fällt. Wenn der verdeckte Ermittler seine Rolle gut darstellt, dann ist das Resultat, das er erzielt, das Kriterium an dem seine Arbeit gemessen wird. Es gibt keinen Beifall, es gibt zumeist kein großes Publikum und der Vorhang der fällt, ist im Gegensatz zum Schauspieler, nicht das Ende des Falles. Es gibt gute und schlechte, bessere und wenig bessere Schauspieler, so wie es auch Unterschiede bei Ermittlern gibt.

Zurückblickend versuchend zu beurteilen, welche Kriterien vielleicht einen erfolgreichen Ermittler ausmachen, ist schwierig und vielfältig. Ein möglichst umfassendes Allgemeinwissen bis zu der Befähigung, in vielen unterschiedlichen Themenbereichen einsetzbar zu sein, sind dabei sicherlich wichtige Voraussetzungen. Doch was einen essentiellen Punkt betrifft, so liegt die Besonderheit in der eigenen Befähigung, keine Rolle zu spielen, sondern sie zu leben.

Es gibt keine Arbeitszeit die von so bis soviel Uhr reicht; es gibt ein vorgegebenes Ziel und in dessen Verfolgung lebte ich in der Welt, die erforderlichenfalls eingerichtet und unter Zuhilfenahme von Attributen gestaltet wurde. Die Bedeutung des Zieles und dessen Wichtigkeit bestimmt die Wahl der Mittel, wobei die Grenzen nicht immer das Gesetz sind. Im Jahre 1994 wollte es das Schicksal, daß ich ein kleines Zeitungsinserat lesen sollte und in Folge mit verdeckten Ermittlungen beauftragt wurde. Etwa 8 Monate bewegte ich mich in Kreisen, die der rechtsorientierten Szene zugehörig waren. Aus Walter Glöckel wurde Karl Dangl mit Decknamen Oscar – und dies ist meine Geschichte deren Darstellung ausschließlich aus den Berichten, Protokollen und Tonbandaufzeichnungen resultiert. Zu einem Abschluß der Ermittlungen ist es nie gekommen, aber zu einer Entlassung aus dem Staatsdienst und folglich dem inneren Bruch mit dem Land, für das ich einst bereit war, Alles zu geben. So wie es das Schicksal mit sich brachte, daß ich das dem Titel zu Grunde liegende Zeitungsinserat lesen sollte, so sollte fast 8 Jahre nach den Ereignissen der Ausspruch für mich wahr werden: „Daß jeden die Vergangenheit eines Tages einholt“.

Persönliche Umstände sind der Grund, das Schweigen zu brechen und vielleicht die Chance, ein offenes Kapitel, gleichsam einer Wunde, zum Verheilen zu bringen. Dies kann sicherlich nicht in allen Punkten zutreffen, da nach meiner Meinung und Erfahrung das nationalsozialistische Gedankengut wie auch die Auffassung vieler Menschen, das ein Mensch besser oder wertvoller sein kann als ein Anderer, nicht aus der Welt geschaffen werden kann, solange wir Gegebenheiten tolerieren und vielleicht auch der Bequemlichkeit halber akzeptieren, wie sie auch in diesem Buch geschildert werden.

Oftmals habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Endresultate zu erzielen gewesen wären, wenn mir eine Fortführung der Ermittlungen ermöglicht worden wäre. Ich kann vielleicht selbst nicht ganz objektiv ein Urteil über die Fortschritte und Resultate meiner Arbeit abgeben, bin aber überzeugt davon, daß eine Chance aus welchen Gründen immer, vertan wurde. Aber ich werde stets daran festhalten, Denjenigen entgegenzutreten, die in menschenverachtender Weise die Grundsätze der Humanität mit Füßen treten. So gilt für mich zu jeder Zeit der Ausspruch:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“